Das ist schon zehn Jahre her, aber sie ist immer noch entrüstet, denn all ihr Familienschmuck ist seitdem verschwunden. „Ich habe nur noch meinen Ehering!“ Jetzt ist sie 102 Jahre alt und erhält derzeit eine geriatrische Therapie in der Tagesklinik. Alle Patientinnen und Patienten der Tagesklinik gehen am Abend wieder nach Hause, deshalb hat das St. Elisabeth-Hospital Beckum sich entschlossen, neben den klassischen Therapien auch Infoveranstaltungen wie diese anzubieten.
Carsten Soszynski ist als Fachberater im Bereich Kriminalprävention und Opferschutz für die Polizei Warendorf unterwegs. Eine ganze Sparte der Kriminalität hat es vor allem auf ältere Menschen abgesehen. Im Visier sind Schmuck und Bargeld. Soszynski rät den Patientinnen und Patienten, immer auf ihr Bauchgefühl zu achten. „Wie oft haben Sie gehört, dass die Bank anruft und Zugangsdaten abfragt? – Noch nie – weil das nicht passiert.“ Auch Kautionen, um eine Inhaftierung des Enkels zu vermeiden, der laut dem Anrufer ein schweres Verkehrsdelikt begangen haben soll, gibt es im deutschen Recht nicht: „Aber die Anrufer schaffen es, ihre Opfer so zu überzeugen, dass sie wirklich zur Bank gehen und Geld abheben – teilweise mit dem Handy am Ohr, durch das der Täter ihnen Anweisungen gibt und zum Stillschweigen auffordert.“ Soszynski rät also: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Bleiben Sie misstrauisch, auch wenn Ihnen das eigentlich unhöflich erscheint! Wenn es an der Tür klingelt und Sie wollen nicht öffnen – machen Sie nicht auf, aber machen Sie sich bemerkbar, indem Sie Licht machen oder einen Rollladen bewegen. So erkennt der mögliche Einbrecher, dass jemand im Haus ist. Einbrecher wollen die Bewohner nicht treffen.“ Am Telefon sollte man eher auflegen, als sich in merkwürdige Gespräche verwickeln zu lassen. „Die echte Polizei ruft nicht an, um etwas zu erfragen oder eine Warnung auszusprechen.“ Und: „Selber auflegen, damit die Leitung wirklich getrennt ist! Betrüger täuschen Ihnen ein falsches Freizeichen vor, und ruft man dann vermeintlich die 110, ist ein Komplize an der Leitung.“ Merkwürdige Anrufe oder Besucher sollen jederzeit vorsorglich bei der Polizei unter 110 gemeldet werden.
Die Tagesklinik des St. Elisabeth-Hospitals Beckum verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Nach dem Vortrag tauschen sich die Zuhörer noch eine Weile miteinander aus. „Wir wollen, dass unsere Patientinnen und Patienten, die sich zum Beispiel von den Folgen eines Sturzes erholen, möglichst eigenständig und selbstbewusst bleiben“, sagt PRESSEMITTEILUNG Beate Daut, Pflegefachleitung der Tagesklinik. „Neben der Mobilisierung des Körpers und heilungsfördernden Therapien gehören auch Informationsangebote dazu, die das Selbstbewusstsein der Patienten stärken. Daher bieten wir auch Vorträge wie diesen an.“


